Australien (2)

TRAUM UND TINITUS (BURGWALLSCHANZE)

Ich kann diese Aufregung nicht mehr ertragen ! In meinem Alter muss ich auf mich Rücksicht nehmen! Außerdem habe ich etwas anderes vor, als mich über ein neues Architekturbüro aufzuregen!
Also die Situation war folgende:
Ich hatte wohl noch ein Architekturbüro mit zwei Angestellten und das Büro war zu eng mit meiner Wohnsituation verknüpft, die Nähe war mir lästig geworden, und wir suchten einen neuen Ort für das Büro.
Die beiden Herren Angestellten hatten – den einen hatte ich schon lange nicht mehr gesehen und der andere ging neben mir- hatten ein, wie mir schien , interessantes Objekt gefunden, und ich wollte mich mit dem Objekt beschäftigen . Wir trafen den Makler, einen jungen smarten Mann, der gelangweilt wirkte und auf die Uhr zeigte : es sei schon um vier Uhr nachmittags , und er hätte keine Unterlagen mehr.
Ich wandte mich- innerlich empört - von ihm ab und wendete mich meinem Mann, dem jungen smarten Architekten zu und sagte, er solle mir bitte die Bestandspläne des Gebäudes geben, ich würde über Nacht über die Konzeption nachdenken.....Da sagte mein Angestellter, dass er keine Pläne habe und ich sie wohl auch nicht bräuchte....
Was? Sie arbeiten seit zwei Wochen ausschließlich an diesem Projekt und haben keine Pläne?“ Er schaute mich wortlos und erstaunt an und zuckte mit den Schultern. „Ich glaube, es ist das Beste, Sie suchen ihre sieben Sachen zusammen und suchen sich einen neuen Job. Wo ist denn der zweite Herr Architekt? Der hat ein verlängertes Wochenende vor sich. Dann vertiefen Sie doch gleich Ihre Freundschaft zu ihm und fahren auch ins erweiterte Wochenende- und bleiben so lange , wie Sie wollen, kehren aber nicht mehr zu mir zurück.....!
Ich habe mich furchtbar aufgeregt- hier im Traum, in der Realität früher nie so ! Diese Unverschämtheit: Sie brauchen keine Pläne ! Ich schaute mir das Projekt alleine an: Sehr interessant: Eine Gebäudeecke an einer Straßenkreuzung, Wohn- und Geschäftsgebiet , - Im Erdgeschoss Geschäfte, darüber Wohnen, Stil Berliner Mietshaus, Anbau in der Seitenstrasse Gewerbe, Fassade Industriebau 20 er Jahre, ein Gewölbe über drei Geschosse, ohne , nur über dem 2. Geschoss einseitig Galerien , sehr interessant, - durch den Luftraum führen Rohrtrassen, wahrscheinlich schon ungenutzte, aber so . wie sie durch den Raum schossen, sehr interessant. Das Dachgeschoss offen als Terrasse , das Dach war abgetragen worden, man sah Auflagen für Balken, der Fliesen-Terrassenbelag offensichtlich undicht- im Gewölbebogen Wasserflecken wie in Cipressa ...... Also das Konzept war eigentlich klar: Den Raum unter dem Gewölbebogen so offen, wie er war , erhalten, auf der zweiten Galerie werde ich mir ein kleines Bürorefugium schaffen mit Blick auf die Bildergalerie der gegenüberliegenden dreigeschossigen Wand. Eine Stahltreppenanlage mitten im Raum, welche die Galerie und das Dachgeschoss erschließt und ein gläserner Fahrstuhl frei im Raum um die Rohrsysteme herum ...Vielleicht könnte man aus Kostengründen auf den Fahrstuhl verzichten, aber dann würden alle sehen, wie ich in meinem Alter die Treppen heraufächze . Nein ! Fahrstuhl muss sein ! Auch für die Auftraggeber , die ich in mein Refugium bitten würde........Oben im Dachgeschoss würde alles beim alten bleiben, vielleicht neuer Holfußboden, Holzdielen, großes Dach, wie eine Tischplatte über dem Haus und fertig –Aus....Was würde das alles kosten ?Nur dieses eine Projekt ohne das Projekt der Landschaftsgestaltung mit den eingesetzten Pavillons , dass ist ja auch noch alles unklar.........
Und ich wache erregt auf !Das fehlte ja noch, jetzt auch noch ein Büro gründen, Bauen, Führen .. Ja, bist Du denn wahnsinnig ?! Du weißt ja gar nicht, ob Du das schaffst, was Du dir vorgenommen hast! Die Schanze und so.........
Ich habe lange gebraucht, mich wieder zu beruhigen. Man hat es nicht leicht mit alten Leuten, die durchdrehen ! Und nun pfeift der Tinitus den ganzen Tag in meinem rechten Ohr. Und auf etwas Neues konzentrieren fällt mir auch schwer... alte Leute , alte Leute , .. und dann noch Tinitus ..!

Der Verrückte Traum mit der Folge des Tinitus – Aufbau eines neuen Büros- ist nicht aus meinen Gedanken zu vertreiben. Wie oft bei Träumen steckt in ihnen ein Fünkchen Wahrheit, ein im wachen Zustand nicht bewältigtes oder besser, verdrängtes Problem. Ich gehe von der Vorstellung , oder sollte ich sagen: Illusion ?, aus, dass die Burgwallschanze oder die Bildergalerie auch ohne mich wie selbstverständlich in eigener fremder Organisation bestehen und erfolgreich sein wird. Der Traum hat deutlich vor Augen geführt, dass dem nicht so sein wird. Wenn das Projekt weiterhin- später auch ohne mich- erfolgreich sein soll, muss ich eine wohldurchdachte Organisation aufbauen, die alle Beteiligten nicht nur emotionell motiviert, wie ich in dem Schreiben an Dr. Dietrich schon mal vorsorglich „ angemahnt „ habe, sondern deren Handeln eindeutig bestimmt. Nur zu sagen, der und die sollen dies und das machen, ist ohne weitere Wirkung ,wenn nicht festgelegt wird, wann und wie! Also steht mir noch viel Arbeit ins Haus !
Der Erfolg will vorprogrammiert sein. Geld allein ist ohne Wirkung, wenn es nicht gezielt angelegt wird, jeder der Beteiligten aus dem Projekt etwas „Gutes“ auch für sich davon hat So ist der Jahresablauf auf der Burgwallschanze ganz genau vorzustrukturieren mit Inhalten, Veranstaltungen und deren Finanzierung. Es wird sich in den nächsten Jahren noch weiter heraus kristallisieren, welche Projekte auch in Zukunft erfolgversprechend durchgeführt werden können, denn der Erfolg ist das unbedingte Ziel, dessen Erreichen die einzige Motivationsquelle ist. Teilhaben am Erfolg der jungen Künstler! Wenn das persönliche Engagement im Misserfolg anderer endet, ist dies das Ende der Idee Burgwallschanze! Also ist diese Motivationsquelle mit allen Investitionen und Kontrollen zu sichern. Es geht nicht in erster Linie um den Verlust von Geld, z.B. durch erfolglose Stipendien, sondern es geht um den persönlichen Verlust an eigener Motivation- D.h. . Begabtenförderung! Die Burgwallschanze ist keine Institution sozialer Unterstützung, sondern Schmiede für begabte junge Künstler, von denen auch das Höchste verlangt und eingefordert werden muss! Und das muss alles organisiert werden.
Also ran !