Australien (10)

Reise 2007 - Melbourne-Kuddel Muddel
Reise 2007 - Melbourne-Kuddel Muddel
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Reise 2007 - Melbourne-Kuddel Muddel
Reise 2007 - Melbourne-Kuddel Muddel
Reise 2007 - Melbourne-Kuddel Muddel
Reise 2007 - Melbourne-Kuddel Muddel
Reise 2007 - Melbourne-Kuddel Muddel
Reise 2007 - Melbourne-Kuddel Muddel

MELBOURNE-KUDDEL MUDDEL

Diese Tage werden mir jetzt zu aufregend. Dieses Kuddel-Muddel macht einen ganz konfus!
Es begann mit einem ruhigen Sonntag Morgen Spaziergang durch die Stadt. Vor Flinders empfing eine Dixielandkapelle mit „Won`t you come home, Bill Bailey ?“ in der Zielgeraden einen Peace-Lauf durch die Stadt .Die Sonne lugte hinter den Herbstwolken hervor. Wir wollten ins Konzert. Es würde wieder ein schöner Tag werden. Die zwei-drei Stunden gingen wie noch schnell ins Potter Museum hinter dem Square. Über die Architektur kein weiterer Kommentar , obwohl an diesem Eckbau man Ansätze zu erkennen glaubt, die hätten weiterführen können. Aber der Inhalt des Museums , das Herr Potter mit seiner Foundation gestiftet hat, Ist Kuddel-Muddel . Im 3. Obergeschoss eine Sonderausstellung : „ Australischer Impressionismus „: ein Hohn ! Der Impressionismus war eine Revolution !Und hier hing der fünfte Abklatsch an der Wand, seichter Kitsch oder tiefgefrorener Akademismus . Außerdem: Was heißt hier Australisch ? Nur weil einige in Australien geboren sind und den größten Teil ihres Lebens in Europa verbracht haben, oder als Europäer zeitweise in Australien gelebt haben ?Im zweiten Obergeschoss hängt ein großes Portrait, ganz bedeutend und härchengenau gepinselt, von Dr. Joseph Brown, dem großen Kunsthändler und Mäzen dieses Hauses. Im Erdgeschoss großformatige Machwerke in Aborigines Manier. Wie kann man in der gleichen Stadt, deren Museum, das Melbourne Museum, eine so fundierte Ausstelung zum Thema Aborigines gemacht hat, dieses verlogene Zeug öffentlich zeigen ?Mehr Porzellan kann man nicht zerschlagen!
Raus hier , und ins Konzert! Entlanggedrückt am Square, immer die Augen auf den Rundbau auf der gegenüber liegenden Seite der Strasse gerichtet ! Oma und Opa mit Enkeln, Mama und Papa mit Kindern drängen zum Eingang .Eine ganz aufgeregte Atmosphäre. Kinder sollen Carneval der Tiere hören !Und schon ging es los !
Zur Einführung das Vorspiel zu Hensel und Gretel von Humperdingh , dann der Bär Paddington : Der Dirigent übte mit dem Publikum den gemeinsamen Gesang zur Vollendung Schuberts Unvollendete mit soviel Heiterkeit, Engagement und—Erfolg - Dann Carneval der Tiere von Camille Saint-Sains und zum pompösen Abschluss: Tschaikowski Dornröschen!
Ein wunderbarer Nachmittag mit Oma und Opa, Eltern und Kindern, und einem engagierten Orchester mit zwei grandiosen Pianisten, einem großartigen gelösten Dirigenten und einem, die Kinder und Oma und Opas verzaubernden Sprecher, der mehr Schauspieler war.
So geht es doch auch! Warum dann diese Einbrüche in ekelhafte Ansprüche ?
Es ist schon sehr aufregend, dieses Kuddel-Muddel !

Wenn ich das Starportrait des so erfolgreichen Kunsthändlers Dr. Joseph Brown vor Kopf seiner Stiftung australischer Kunst des letzten Jahrhunderts ( als wenn es hier mehr gäbe als das eine Jahrhundert Kunst ) an das NVG, das Photo eines weißen Kunsthändlers, abgebildet im Kreis von Aborigines, der sich um deren Kunst „ verdient „ gemacht hat, in der Ansammlung von Acrylpünktchen auf übergroßen Leinwänden oder Holzstelen, - und die Kulissen Zirkusarchitektur um den für die Masse erfolgreichen Square sehe, werde ich ganz mutlos! Dagegen kommt man nicht an, Da ist jeder Gedanke an die Kunst verloren !
Die Schnecke zieht sich in ihr, von ihr gegen die Welt gebautes Schneckenhaus zurück und hofft, dass sie die Flutwelle neuen Unrates , der sich über sie ergießen wird, überstehen wird, und sie nicht untergeht, - einfach in eine Ecke gespült wird und verreckt.

Muss nicht ein Museumsdirektor wissen , was er da tut? Oder ist der Erfolgsdruck , unter dem er gegenüber seinen Freunden des Museums- von denen er bezahlt wird- so groß, dass es seinen klaren Blick verdunkelt ? Kennt er den Unterschied zwischen den französischen Impressionisten und den verspäteten australischen Epigonen nicht ? Oder ist er nationalistisch verblendet ? Das wäre ja fürchterlich! In diesem aufstrebenden , lebendigen Land, in dem junge Menschen aus über 140 Nationen leben, in einer Clique reichgewordener Einwanderer ,ein aufbrodelnder Nationalismus ? Diese Vorstellung ist grauenvoll ! Die Demokratie sei dagegen !
Ich gehe jetzt unter die Dusche, alles abspülen- und dann warte ich , dass wieder die Sonne aufgeht! Morgen ist Montag! Eine neue Woche beginnt .

Nachtrag vor dem Schlafengehen: Folgende Szene im Foyer des Konzerthauses nach dem Carneval der Tiere:
Eine ältere Dame, am Arm einen älteren Herrn, ist im Begriff, die Rolltreppe zu betreten, da tritt ein junger Mann des Personals des Hauses , vor, kniet sich vor dem alten Mann nieder und knüpft ein losgelöstes Schuhband wieder zu, erhebt sich lächelnd und – kurz eine Verneigung andeutend- führt er die Beiden vorsichtig auf die Rolltreppe.