Australien (7)

CANBERRA-LEHRSTUNDE IN STADTPLANUNG

Und wieder eine Lehrstunde in Stadtplanung.
Canberra wurde auf einem Schema einer Reißbrettplanung Anfang des 20. Jahrhunderts begonnen zu bauen, und dieses abstrakte Modell eines Grundrisses einer Stadt hat heue noch Gültigkeit . Alle Straßenverkehrslinien - die grundlegende Idee und Festlegung dieses Schemas- sind asphaltiert worden in eine unberührte Landschaft. Maßstabslos , gedacht für eine Millionenstadt, die nicht existiert. Auf den weiten freien Flächen zwischen den Asphaltbahnen sind Gebäudesolitäre für einzelne bestimmte Funktionen und Nutzungen gesetzt. Ursprünglich wohl ebenso geometrisch wie das Straßenraster ausKreisen für bedeutende Orte, Quadrate, Rechtecke und selten Dreiecke, da die spitzen Winkel für eine Bebauung ungeeignet erachtet worden sind, gedacht , aber es wurde gegen die Starrheit gebaut, man lockerte mit Stufenbauten, Vor- und Rücksprüngen die gedachten Quader auf. Einen öffentlichen gestalteten Raum gab und gibt es nicht , bis auf die willkürlich angelegten Fußgängerzonen- so scheint es. Man fühlt sich als Fußgänger und Menschlein in dieser Agglomeration von starren Baumassen – nach Architektur wurde hier nicht gefragt- ganz verloren. Ein unendlicher Raum ohne Echo !
Man schließt die Augen und träumt von dem Frühlingsmorgen auf der Piazza Navona in Rom und gibt sich der sinnlichen Erinnerung hin. Die ersten Sonnenstrahlen erwärmen das Gesicht, der Kaffee dampft auf den kleinen runden Marmortischchen, --Man saß auf einem der schönsten Plätze, in diesem Augenblick der schönste, umgeben von herrlicher geschlossener Architektur, bezaubert von dem von den Figuren fallenden Wasser des Brunnens, hörte das Läuten der Kirchenglocken und das fröhliche bon jorno des italienischen Kellners, der schon wieder hellwach war.
Hier steht man resignierend vor der Festung, der Herrschaft gegen die Stadt, gegen das Volk. –oder man wendet sich wieder ab und stellt sich dem Wind in der Offenheit der viel zu weiten zugigen Verkehrstrassen , dem Wind , der um die Quader pfeift.
Warum verlässt man nicht ein Schema, dem man nicht mehr abstrakt folgen müsste, und gibt sich seien Sinnen hin und baut eine Stadt für Menschen.
Canberra ist ohne Humus für die Zukunft.